Bericht in der RNZ, Mo, 27.04.2026
Abi-Jubiläum läuft aus dem Ruder
Theaterensemble „Silberdistel“ begeisterte in der Arche mit dem Stück „Hotel Romantik“
(Sabine Klevenz)
Wenn die „Kleine Bühne“ ins Kellertheater der Arche einlädt, erwartet das Publikum selten nur leichte Kost. So auch am Freitagabend als das Heidelberger Theaterensemble „Silberdistel“ mit seiner Krimikomödie „Hotel Romantik – Schatten der Vergangenheit“ für ein voll besetztes Haus sorgte. Die Theatergruppe existiert erst seit zwei Jahren, feierte aber bereits mit ihrem Stück „Damenkarussel“ im vergangenen Jahr große Erfolge.
Für die neue Produktion schrieb der Heidelberger Autor Marcus Imbsweiler eigens ein neues Stück – eine Mischung aus psychologischer Spannung, tiefschwarzem Humor und feinen Zwischentönen, die das Publikum immer wieder zum Schmunzeln brachten. Schon beim Betreten des Kellertheaters im Gemeindezentrum Arche wurde klar: Der Name des Stücks ist eine Falle. Das Bühnenbild atmete den morbiden Charme eines Etablissements, das seine besten Tage nicht nur hinter sich hatte, sondern sie vermutlich nie erlebte.
Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung durch die Veranstalter der „Kleinen Bühne“ startete auch schon der erste Akt, begleitet von gespannter Erwartung im Theaterkeller. Die Handlung erscheint zunächst völlig klassisch: Vier Frauen, einst unzertrennliche Klassenkameradinnen, treffen sich zum Jubiläum 50 Jahre Abi zu einem gemeinsamen Wochenende wieder, um ihre Karrieren zu feiern. Doch statt Wellness, Sekt und Glamour erwartete sie ein heruntergekommenes Hotel mit unzuverlässigem Personal und einer Reihe unangenehmer Wahrheiten.
Warum einige ehemalige Mitschüler der Einladung fernblieben, blieb zunächst offen und sorgte für zusätzliche Spannung, die sich im Laufe des Abends immer weiter verdichtete. Gekommen waren Pernille, erfolgreiche Unternehmerin, Dagmar, eine einflussreiche Politikerin mit so manchen nicht ganz „sauberen“ Verbindungen, Annette, die scheinbar naive Haus- und Ehefrau eines Adligen, sowie Tilly, die Theologin. Gemeinsam blicken sie auf eine Schulzeit zurück, die mehr Schatten als Glanz bereithielt. Was als freundliches „Hallo, du siehst ja bezaubernd aus“ beginnt, kippt rasch und endet anders als erwartet.
Alte Rechnungen werden beglichen, Lebenslügen entlarvt, verdrängte Geheimnisse kommen ans Licht. Immer wieder wechselt das Stück geschickt zwischen Humor und bitterer Ernsthaftigkeit, was die Figuren besonders lebendig wirken lässt. Hotelbesitzerin Carla, die mit einem dreisten Plan die Stimmung weiter anheizt, sowie Adi, ein alter Schulkamerad in Rente mit großen Geldsorgen.
Mit viel Spielfreude, Charme und Authentizität verkörperten die sechs Darstellerinnen und Darsteller ihre Rollen.
Man spürte deutlich, wie viel Herzblut und Engagement in diese Produktion gesteckt wurde. Das bekam auch das Publikum zu spüren, das immer wieder hörbar reagierte – zum Beispiel mit Gelächter, wenn sich eine neue Wendung auftat oder eine Figur ihr wahres Gesicht zeigte. Die besondere Nähe zwischen Bühne und Zuschauerraum verstärkte die Intensität des Geschehens spürbar. Mehrfach war Gelächter zu hören, wenn sich eine neue Wahrheit offenbarte.
Am Ende bedankte sich das Publikum bei den Laienschauspielern und der Spielleiterin Stefanie Ferdinand mit viel Applaus. Sichtlich bewegt dankte die Spielleiterin ihrerseits allen Anwesenden, der „Kleinen Bühne Neckargemünd“ und dem gesamten Team im Hintergrund. Die größte Herausforderung sei es gewsesen, mit zwei Ensembles zu spielen - „aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht.“
Regie: Stefanie Ferdinand
Aufführungen (Arche):
Fr/Sa, 24./25.04.2026